Veröffentlicht am 24.02.2026

Der GKV-Spitzenverband und der Deutsche Verband Ergotherapie haben die Aufnahme der zweiten Verhandlungsrunde zu den Vergütungspreisen 2026 abgelehnt. Als Begründung wurde eine nicht belegte Unterstellung angeführt. Demnach nehme Kevin Gensch, Mitarbeitender der activano und Delegierter im BED-Verhandlungsteam, angeblich lediglich deshalb an den Verhandlungen teil, um Inhalte medial zu verwerten. Kevin Gensch betreibt als Mitarbeitender der activano unter anderem auch den sehr beliebten Podcast therapie-insights. Die activano ist die größte Therapieeinrichtung in Wuppertal. Einem der größten Arbeitgebenden im Therapiebereich ein vorrangiges Kommunikationsinteresse bei Vergütungspreisverhandlungen anzudichten, erscheint wenig überzeugend.
Kevin Gensch hatte im Vorfeld ausschließlich transparent kommuniziert, dass er an den Verhandlungen teilnehmen werde. Zudem veröffentlichte er – in Abstimmung mit dem Bundesverband für Ergotherapeut:innen in Deutschland (BED) e.V. – die verbandsseitigen Preisforderungen.
Im vergangenen Jahr hatte der BED e.V. Marianne Jouanneaux in die BED-Delegation aufgenommen. Sie betreibt eine Ergotherapiepraxis in Berlin und unter anderem auch einen bekannten Instagram-Kanal.
Trotz ähnlicher Ausgangslage und Berichterstattungen im Vorfeld- wie im Nachgang der Verhandlungen durch Marianne Jouanneaux hörte man im vergangenen Jahr derartige Unterstellungen von keinem der beiden Vertragspartner. In beiden Fällen war öffentlich bekannt, dass eine Person aus der Delegation beruflich auch öffentlich kommuniziert; dennoch wurde nur jetzt daraus eine Begründung für die Verweigerung der Verhandlungsaufnahme konstruiert. Vor diesem Hintergrund erweckt es den Anschein, dass hier nicht ein konkreter Verstoß, sondern Transparenz selbst zum Anlass genommen wird, die Verhandlungsaufnahme zu verweigern.
Transparenz für Therapierende, insbesondere bei den Preisen, aus BED-Sicht essenziell
Bereits im Sondierungsgespräch am 10.02.2026 hatten alle Vertragspartner ihre jeweiligen Preisvorstellungen dargelegt.
Die derzeit geltende grundlegende Systematik der Preiszusammensetzung in der Ergotherapie ist seit Langem bekannt.
Diese basiert rechnerisch auf:
- 75 % Gewichtung der Personalkosten, orientiert an der Tarifentwicklung
- 25 % Sachkostenanteil, unter anderem differenziert nach
– 7,10 % Veränderung der Mietkosten durch den VDP-Preisindex
– 17,90 % Gewichtung der Geldentwertung durch Inflation
Es handelt sich somit um ein nachvollziehbares, rechnerisches Ergebnis, nicht um eine vertrauliche oder überraschende Bewertungsgrundlage.
Wenig erstaunlich kommen BED e.V. und DVE gemäß jenen Festsetzungen der Schiedsstelle auf eine Preisanpassung von +4,55 %.
Darüber hinaus sieht der BED e.V. zudem eine notwendige Berücksichtigung der bereits bekannten tariflichen Gehaltsanpassungen in 2026 gemäß der Schiedsstellenspruchpraxis, ebenso wie eine Berücksichtigung der wiederholt gestiegenen Zusatzbeiträge und die Fortführung sowie Anpassung der Pauschale für telemedizinische Leistungen.
Ohne Berücksichtigung und Ausgleich dieser (Mehr-)Ausgaben verringert sich anderenfalls real das Einkommen der Praxisinhabenden.
Transparenz bei den Vergütungspreisen ist Voraussetzung für:
- sachliche Nachvollziehbarkeit,
- betriebswirtschaftliche Kalkulationssicherheit und
- Vertrauen innerhalb der Berufsgruppe.
Falschbehauptung
Aktuell wird durch den DVE behauptet, das Vorgehen des BED habe „zuvor vereinbarten Verhandlungsgrundsätzen“ widersprochen. Entsprechende Vereinbarungen existieren jedoch nicht. Vor diesem Hintergrund behält sich der BED rechtliche Schritte vor.
2019 hatte der GKV-Spitzenverband seine einseitigen Vorstellungen zu vertraulichen Verhandlungen gegenüber den Vertragspartnern formuliert. Der BED e.V. hatte hierzu unmittelbar und dokumentiert ein Veto eingelegt und Transparenz als grundlegendes Prinzip berufspolitischer Arbeit betont und dies seither konsequent umgesetzt.
Transparenz ist für alle Therapierenden essenziell. Nur wenn Berechnungsgrundlagen, Systematiken und Bewertungsmaßstäbe offengelegt werden, können Praxen:
- Mitarbeitende angemessen vergüten, und
- langfristig wirtschaftlich stabil arbeiten.
Sicht der Therapierenden gefragt
Wer Transparenz als Problem darstellt und stattdessen die Verhandlungsaufnahme verweigert, erschwert eine nachvollziehbare Vergütungsfindung. Das geht zulasten der Praxen, der Mitarbeitenden und am Ende der Versorgung.
Therapeut*innen sind daher ausdrücklich eingeladen, ihre Haltung zu dieser Entwicklung zu formulieren.
Die Frage nach Beteiligung, Nachvollziehbarkeit und Transparenz betrifft unmittelbar die berufliche Realität und wirtschaftliche Zukunft der Praxen!