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Ergotherapeutin Annette Ackermann fragt Lars Klingbeil nach der Zukunft der Heilmittelversorgung

Veröffentlicht am 02.07.2026

Fotonachweis: Annette Ackermann - privat

In der ARD-Sendung „Arena · Ihre Fragen an Lars Klingbeil“ hat Ergotherapeutin Annette Ackermann die Situation der Heilmittelversorgung öffentlich angesprochen. Sie nutzte das Format, um deutlich zu machen, welche Folgen gesundheitspolitische Entscheidungen für Therapiepraxen und Patient*innen haben können.

Annette Ackermann ist staatlich anerkannte Ergotherapeutin und seit ihrem Ausbildungsabschluss im Jahr 2013 in verschiedenen ergotherapeutischen Praxen tätig gewesen. Dabei konnte sie ihr Wissen in vielen Bereichen der Ergotherapie vertiefen und durch gezielte Weiterbildungen erweitern. In ihrer Praxis ist neben der klassischen Ergotherapie die ergotherapeutische Behandlung mit dem Medium Pferd ein wichtiger Bestandteil.

Um Patient*innen ganzheitlich begleiten zu können, hat Annette Ackermann außerdem die Qualifikation zur Pflegelotsin erworben. Neben ihrer Tätigkeit in der Praxis engagiert sie sich, auch durch ihre Erfahrungen als Mutter, ehrenamtlich in verschiedenen Elterngremien.

Im Interview berichtet Annette Ackermann, warum sie ihre Frage öffentlich gestellt hat, wie sie das Fernsehformat erlebt hat und was sie anderen Therapierenden mitgeben möchte.

Was hat Sie motiviert, Ihre Frage zur Ergotherapie in der ARD Arena direkt an Lars Klingbeil zu stellen?

Annette Ackermann: Wenn ich mir die aktuelle politische und insbesondere die gesundheitspolitische Entwicklung anschaue, bin ich sehr besorgt. Zugespitzt formuliert habe ich manchmal den Eindruck, dass Deutschland auf ein multiples Organversagen zusteuert: In vielen Bereichen – ob Gesundheit, Bildung, Pflege oder Verwaltung – geraten die Systeme zunehmend unter Druck und stoßen an ihre Belastungsgrenzen.

Gerade deshalb irritiert es mich, dass diejenigen, die diese Systeme derzeit noch mittragen und stabilisieren, zusätzliche finanzielle Belastungen schultern sollen. Die Folgen treffen am Ende nicht nur die Leistungserbringenden, sondern auch die Patientinnen und Patienten.

Ich habe zudem den Eindruck, dass die möglichen Auswirkungen dieser Entwicklungen bislang zu wenig öffentlich diskutiert werden. In Gesprächen mit Patientinnen und Patienten erlebe ich häufig, dass vielen die konkreten Folgen noch gar nicht bewusst sind.

Deshalb war es mir wichtig, diese Frage in einem öffentlichen Rahmen zu stellen und auf die Situation aufmerksam zu machen.

Wie funktioniert dieses Fernsehformat? Gibt es ein Bewerbungsverfahren für die Fragestellung?

Annette Ackermann: Es gab einen Aufruf, sich mit seiner Frage zu bewerben. Darauf hat sich dann jemand aus der Redaktion gemeldet und nochmal Rückfragen zur Frage und der Person gestellt. Dann benötigte die Redaktion noch ein Bild von der Person, die sich beworben hat.

Im Anschluss wählt die Redaktion die Fragen (und die dazu gehörige Person) aus. 

Man sollte ab 18:00/19:00 Uhr vor Ort sein und die Sendung startet dann um 21:15 Uhr. Auch wenn man es durch die Vorauswahl geschafft hat, bleibt es etwas dem Zufall überlassen, ob man im Studio dann auch mit seiner Fragestellung ausgewählt wird.

Zu Fahrtkosten, Übernachtung und ähnlichem kann ich leider nichts sagen, da ich aus der Nähe kam.

Wie wirkte der Finanzminister persönlich auf Sie und war seine Antwort begründet / nachvollziehbar?

Annette Ackermann: Er wirkte sehr ausweichend. Auch seine Aussage mit “deswegen müssen alle ihren Anteil bezahlen, auch die Ärzte und Apotheken… “ finde ich nicht nachhaltig, da auch diese Kosten im Zweifel wieder über die Patientinnen und Patienten zu tragen sind. Seine Aussage zu den Therapeutinnen und Therapeuten fand ich sehr interessant, da man ja gerade bei denen deutlich sparen möchte, er aber der Meinung ist, dass dort eigentlich gar nicht gespart werden soll. Aber schon durch die Änderung der Budgetierung der Ärzte gibt es auch bei den Therapeuten Einsparung unabhängig von den Einsparungen die noch zusätzlich im Gesetzesentwurf gefordert werden.

Man merkt deutlich, dass das Gesundheitssystem immer noch nicht im Ganzen gesehen/gedacht wird in der Politik. Auch über die Auswirkungen auf die restlichen Wirtschaftszweige hat sich die Politik augenscheinlich noch gar keine Gedanken gemacht. Alle sollen länger und mehr arbeiten und gesund die Rente erleben, allerdings ist das Bildungssystem schon so marode, dass die jungen Menschen noch nicht mal gesund aus ihrer Schulzeit kommen (als ein Beispiel). Die geplanten Einsparungen werden sich somit auf alle weiteren Felder negativ auswirken.

Was würden Sie anderen Therapierenden mitgeben, die unzufrieden sind, sich aber nicht trauen oder bisher noch keine Notwendigkeit sehen, selbst aktiv zu werden?

Annette Ackermann: Ich kann nur empfehlen, sich einem Verband anzuschließen und sich mit anderen Therapeuten in der Umgebung zu vernetzen.

Welche berufspolitische Änderung halten Sie mit Blick auf Therapie im Schulalltag für notwendig?

Annette Ackermann: Eine Anpassung der Rahmenbedingungen:

Durch die Regelung der Ganztagesbetreuung von Kindern ab diesem Schuljahr wird es für viele Familien schwierig, Therapien wahrzunehmen. Deswegen müsste es eigentlich so geregelt werden, dass Therapeutinnen und Therapeuten an allen Schulen arbeiten dürfen und dies auch abgerechnet bekommen. Die dort ausgeführten Behandlungen sollten als Hausbesuch anerkannt werden.

BED dankt Annette Ackermann für ihr Engagement

Der BED dankt Annette Ackermann herzlich für das Interview und vor allem für ihren persönlichen Einsatz. Sie hat die Situation der Ergotherapie in einem öffentlichen Format sichtbar gemacht und damit ein wichtiges Beispiel dafür gegeben, wie berufspolitisches Engagement konkret aussehen kann.

Ihr Auftritt zeigt: Es braucht Therapeutinnen und Therapeuten, die ihre Erfahrungen aus der Praxis einbringen, Fragen stellen und deutlich machen, welche Folgen politische Entscheidungen für die Versorgung haben. Gerade solche Stimmen tragen dazu bei, dass die Perspektive der Ergotherapie nicht abstrakt bleibt, sondern als Teil der Lebensrealität von Patient, Familien und Praxen wahrgenommen wird.

Ausdrücklich möchten wir Ergotherapeut*innen motivieren, diesem Beispiel zu folgen. Vernetzen Sie sich, stellen Sie Fragen, begleiten Sie politische Entwicklungen kritisch und bringen Sie die eigene fachliche Perspektive öffentlich ein. Jede Stimme aus der Praxis hilft, sichtbar zu machen, was Ergotherapie leistet und welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit eine gute Versorgung möglich bleibt.

Quellen

ARD Mediathek: Arena – Ihre Fragen an Lars Klingbeil - Zeitstempel: 1:10:50

Ergotherapie Annette Ackermann

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