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Motivation beginnt nicht mit guten Argumenten

Veröffentlicht am 10.07.2026

InWi (Institut Wissen)

Warum verändern Menschen ihr Verhalten?

Diese Frage beschäftigt die Psychologie seit Jahrzehnten und begegnet auch Therapierenden nahezu täglich. Schließlich hängt der Erfolg einer Therapie selten allein von der Behandlungseinheit ab. Entscheidend ist oft das, was zwischen den Terminen passiert. Werden Übungen umgesetzt? Verändern sich Gewohnheiten? Finden Empfehlungen ihren Weg in den Alltag?

Dabei wissen viele Patient*innen längst, was ihnen guttun würde. Sie kennen die Vorteile von Bewegung, Hilfsmitteln oder veränderten Routinen. Trotzdem fällt es ihnen schwer, ins Handeln zu kommen.

Der Grund liegt häufig nicht im fehlenden Wissen, sondern in einem Spannungsfeld zwischen Veränderungswunsch und Sicherheit. Menschen wägen unbewusst Vorteile und Nachteile ab, erleben Unsicherheit, zweifeln an der eigenen Umsetzung oder empfinden den Aufwand als zu groß. Motivation entsteht deshalb nur selten durch noch bessere Argumente oder noch mehr Informationen.

Die Motivationspsychologie unterscheidet zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation. Während äußere Anreize kurzfristig Verhalten beeinflussen können, entsteht nachhaltige Veränderung meist dann, wenn Menschen eigene Gründe entwickeln und selbst hinter ihrer Entscheidung stehen.

Genau hier setzt Motivational Interviewing an.

Dabei geht es nicht darum, Menschen von der einen Wahrheit zu überzeugen. Vielmehr unterstützen MI-geschulte Therapierende ihre Patient*innen dabei, ihre eigene Motivation sichtbar zu machen und Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen. Therapeut*innen bringen ihre fachliche Expertise selbstverständlich weiterhin ein. Sie tun dies jedoch so, dass Patient*innen beteiligt bleiben und ihre eigenen Ressourcen aktivieren können. Genau diese Haltung macht Motivational Interviewing heute zu einem wichtigen evidenzbasierten Konzept in der therapeutischen Gesprächsführung.

„Motivational Interviewing ist doch nur geschicktere eine Methode, um Patient*innen zu überzeugen.“

Dieses Missverständnis begegnet MI wahrscheinlich am häufigsten.

Tatsächlich verfolgt Motivational Interviewing genau das Gegenteil. Es geht nicht darum, Menschen möglichst elegant in eine bestimmte Richtung zu lenken oder sie von einer Entscheidung zu überzeugen.

Im Mittelpunkt steht vielmehr die Überzeugung, dass Patient*innen Expert*innen ihres eigenen Lebens sind. Sie bringen Erfahrungen, Werte, Ziele und Ressourcen mit, die für jede Veränderung entscheidend sind. Aufgabe der Therapeut*innen ist es, diese sichtbar zu machen und gemeinsam weiterzuentwickeln, anstatt Lösungen ausschließlich vorzugeben.

MI verändert damit nicht nur Gespräche, sondern vor allem auch die therapeutische Haltung und Rolle. Statt ausschließlich Problemlöser zu sein, werden Therapierende zu Begleiter*innen eines gemeinsamen Veränderungsprozesses.

„Ich habe einfach noch nicht das richtige Argument gefunden.“

In der Ergotherapie möchten Sie Menschen dabei unterstützen, Tätigkeiten wieder aufzunehmen und durchzuführen, die ihnen wichtig sind. Ob Hilfsmittelversorgung, Energiemanagement, Tagesstruktur oder Heimprogramm, entscheidend ist, ob die gemeinsam entwickelten Strategien auch außerhalb der Therapie in den Alltag integriert werden können.

Sie sehen fachlich oft sehr klar, welcher nächste Schritt hilfreich sein können. Trotzdem bleibt manchmal alles stehen: Die Patientin nutzt das Hilfsmittel nicht. Der Patient hält die vereinbarte Alltagsstruktur nicht ein. Angehörige übernehmen weiter Tätigkeiten, obwohl Selbstständigkeit eigentlich Ziel der Therapie ist.

Dann fehlt nicht automatisch das bessere Argument. Wenn es in der Ergotherapie um Veränderung im echten Leben, in Routinen, Rollen, Gewohnheiten, Beziehungen und Umgebungen geht, können genau dort Ambivalenzen entstehen. Ein Hilfsmittel kann entlasten und gleichzeitig aber auch das Gefühl auslösen, weniger selbstständig zu sein. Mehr Eigenaktivität kann sinnvoll sein und gleichzeitig Angst vor Überforderung machen.

Motivational Interviewing hilft, diese Ambivalenzen nicht als Widerstand abzutun, sondern als wichtigen Teil des therapeutischen Prozesses zu verstehen. So wird aus dem nächsten fachlichen Argument ein Gespräch darüber, was der Person wirklich wichtig ist, was sie zurückhält und welcher Schritt in ihrem Alltag tatsächlich tragfähig sein kann.

„Wer wirklich gesund werden will, macht seine Übungen. Ich bin Therapeut*in, kein Motivationscoach!“

In der Ergotherapie zeigt sich Mitarbeit nicht nur daran, ob jemand ein Heimprogramm regelmäßig durchführt. Viel entscheidender ist oft, ob neue Strategien im Alltag überhaupt nutzbar werden. Eine Patientin möchte wieder selbst einkaufen, vermeidet aber den Weg in den Supermarkt, weil Reize, Erschöpfung oder Unsicherheit zu groß sind. Ein Patient möchte nach einem Schlaganfall wieder mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen, lässt sie aber doch von Angehörigen erledigen, weil es schneller geht und weniger frustrierend ist.

Von außen wirkt das schnell wie mangelnde Motivation. In Wirklichkeit liegen häufig nachvollziehbare Gründe dahinter: Angst zu scheitern, Sorge vor Überforderung, fehlendes Zutrauen, alte Rollenverteilungen oder ein Alltag, der für Veränderung kaum Spielraum lässt.

Motivational Interviewing hilft, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen. Statt zu fragen, warum jemand „nicht mitmacht“, richtet sich der Blick darauf, welche Bedeutung die angestrebte Betätigung für die Person hat, was sie daran hindert und welcher nächste Schritt realistisch genug ist, um tatsächlich ausprobiert zu werden.

Das lernen Sie im Seminar

Im Seminar entwickeln Sie nicht einfach neue Gesprächstechniken. Sie setzen sich intensiv mit Ihrer therapeutischen Haltung auseinander und lernen, wie Motivation gemeinsam mit Patient*innen entstehen kann.

Sie beschäftigen sich unter anderem mit

  • den Grundprinzipien und der Haltung des Motivational Interviewing,
  • aktivem Zuhören und offenen Fragen,
  • dem Umgang mit Ambivalenz und schwierigen Gesprächssituationen,
  • einer Kommunikation auf echter Augenhöhe

Für BED-Mitglieder: 20 Prozent Vorteil

Als Mitglied im Bundesverband für Ergotherapeut:innen in Deutschland (BED) e.V. profitieren Sie dauerhaft von 20 Prozent Rabatt auf die Teilnahmegebühr aller InWi Seminare.

Termine und Anmeldung

„Motivational Interviewing - Motivierende Gesprächsführung für Therapierende“ (3-tägig)

Grundkurs in Hanau

Freitag, 15.01.2027 | 11:00 - 18:00
Samstag, 16.01.2027 | 09:00 - 17:30
Sonntag, 17.01.2027 | 09:00 - 16:30

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Grundkurs in Regensburg

Freitag, 12.02.2027 | 11:00 - 18:00
Samstag, 13.02.2027 | 09:00 - 17:30
Sonntag, 14.02.2027 | 09:00 - 16:30

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Grundkurs in Wiesbaden

Freitag, 18.06.2027 | 11:00 - 18:00
Samstag, 19.06.2027 | 09:00 - 17:30
Sonntag, 20.06.2027 | 09:00 - 16:30

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Auf unserer Webseite arbeiten wir teilweise sprachlich dem Duden entsprechend mit dem generischen Maskulinum. Dies bedeutet, dass die allgemein bekannte verallgemeinernde, grammatikalisch männliche Bezeichnung gewählt wird. Hiermit sind in jedem Fall Personen aller Geschlechter gleichermaßen gemeint.
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