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Wenn Symptome nicht ins bekannte Bild passen

Veröffentlicht am 21.08.2026

InWi (Institut Wissen)

Eine Klientin wirkt gut organisiert. Sie kommt vorbereitet zur Therapie und ist berufstätig. Nach außen funktioniert sie. Gleichzeitig erzählt sie, wie anstrengend ihr Alltag ist. Nach der Arbeit fehlt die Energie für soziale Kontakte. Selbst „kleine“ Aufgaben werden lange aufgeschoben und dann unter enormem Druck erledigt. Sie ist mit sich selbst unzufrieden und schämt sihc dafür, heute schon wieder zu spät zur Therapie erschienen zu sein.

ADHS?

Autismus?

Vielleicht beides?

Oder einfach eine sehr gestresste Frau?

Unauffällig = gesund?

Bei ADHS denken viele zunächst an deutlich sichtbare Impulsivität oder Bewegungsdrang. Bei Autismus stehen häufig offensichtliche Besonderheiten im sozialen Kontakt im Vordergrund.

Doch diese Beschreibungen bilden nicht alle Betroffenen gleichermaßen gut ab.

Gerade bei weiblich sozialisierten Personen kann Neurodivergenz anders sichtbar werden, als wir es aufgrund klassischer Symptombeschreibungen erwarten. Das kann dazu beitragen, dass Auffälligkeiten lange anders eingeordnet oder gar nicht erkannt werden.

Bei Mädchen und Frauen mit ADHS können beispielsweise Unaufmerksamkeit oder Schwierigkeiten mit Organisation im Vordergrund stehen. Innere Unruhe statt Zappeligkeit. Gedankenkreisen statt „Klassenclown“.
Beim Autismus kann soziale Anpassung dazu führen, dass Besonderheiten weniger offensichtlich erscheinen. Betroffene beobachten soziale Situationen sehr genau und passen ihr Verhalten entsprechend an. Manche bereiten Begegnungen bewusst vor, um möglichst wenig aufzufallen.

Von außen ist das Verhalten angepasst.

Die Anstrengung dahinter kann erheblich sein.

Für die therapeutische Arbeit lohnt deshalb ein genauerer Blick: Nicht nur darauf, was eine Person schafft, sondern auch darauf, wie viel Kraft sie dafür aufbringen muss.

Geschlechtssensibel hinschauen

Ein geschlechtssensibler Blick bedeutet nicht, hinter jeder Erschöpfung ADHS oder Autismus zu vermuten, nur weil eine Frau vor uns sitzt. Ebenso wenig gibt es das eine „weibliche ADHS“ oder den einen „weiblichen Autismus“.

Knifflig wird es dort, wo Perfektionismus oder starke Kontrolle Schwierigkeiten lange kompensieren. Gesellschaftliche Rollenbilder und Erwartungen können beeinflussen, welche Belastungen wie stark nach außen sichtbar werden.

Es geht darum, die eigene therapeutische Wahrnehmung zu erweitern. Und die richtigen Fragen zu stellen um hinter die Maske zu blicken.

Wenn Aufschieben mehr ist als fehlende Motivation

Auch die oben schon genannte Prokrastination zeigt, warum sich ein genauerer Blick lohnt.
Eine Aufgabe ist bekannt und wichtig. Eigentlich soll sie längst erledigt sein. Und trotzdem passiert: nichts.

„Du musst einfach anfangen“ ist zu kurz gedacht, wenn hinter dem Aufschieben Überforderung oder hoher Perfektionsdruck stehen. Auch Schwierigkeiten mit der Selbststeuerung können eine Rolle spielen.

Bei Erwachsenen mit ADHS kann Prokrastination deshalb ein therapeutisch relevantes Muster sein. Entscheidend ist weniger die Frage, warum sich jemand nicht „zusammenreißt“, sondern welche Funktion das Verhalten erfüllt. Daraus lässt sich ableiten, welche Unterstützung tatsächlich hilfreich sein kann.

Neurodivergenz im Fokus

Die folgenden Seminare mit Marianne Jouanneaux betrachten unterschiedliche Aspekte neurodivergenter Lebensrealitäten von weiblich sozialisierten Personen und verbinden einen geschlechtssensiblen Blick mit konkreten Möglichkeiten für den therapeutischen Alltag:

Im Seminar „ADHS bei Frauen“ beschäftigen Sie sich mit der Frage, warum ADHS bei weiblich sozialisierten Personen häufig lange unerkannt bleibt und wie sich die Symptomatik im Alltag zeigen kann. Sie betrachten den Einfluss von sozialen Erwartungen, Anpassungsstrategien und geschlechtsspezifischen Unterschieden und erfahren, wie Sie Klient*innen bei Themen wie Emotionsregulation, Stressbewältigung und Selbstfürsorge gezielter begleiten können. Dabei geht es nicht um ein starres Bild von ADHS, sondern darum, unterschiedliche Ausdrucksformen besser zu verstehen und therapeutisch angemessen darauf zu reagieren.

Das Seminar „Autismus bei Frauen“ richtet den Blick auf das Autismus Spektrum bei erwachsenen Frauen und die Besonderheiten, die dazu beitragen können, dass autistische Merkmale lange unentdeckt bleiben. Sie beschäftigen sich mit Camouflaging und Masking sowie mit der Frage, wie soziale Anpassung, Reizbelastung und ein hoher Energieaufwand den Alltag beeinflussen können. Sie lernen, wie Sie therapeutische Settings strukturgebend gestalten, sensorische Bedürfnisse berücksichtigen und Klientinnen bei Psychoedukation und einem besseren Verständnis der eigenen Bedürfnisse begleiten können.

Im Seminar „Prokrastination bei Erwachsenen mit ADHS“ betrachten Sie Aufschieben, Perfektionismus und überangepasstes Verhalten aus einer neuen Perspektive. Statt diese Muster vorschnell als fehlende Motivation oder mangelnde Disziplin zu bewerten, geht es darum, ihre Funktion als mögliche Bewältigungsstrategie zu verstehen. Sie lernen, wie Sie gemeinsam mit Klient*innen alternative Handlungswege entwickeln und mit alltagstauglichen Methoden an Selbststeuerung, Struktur und Selbstakzeptanz arbeiten können.

Ihr Praxisvorteil

Ein geschlechtssensibler Blick erweitert Ihre therapeutische Wahrnehmung. Sie können Verhaltensweisen differenzierter einordnen und Belastungen hinter scheinbar gutem Funktionieren besser erkennen.

Für Ihre Praxis bedeutet das mehr Handlungssicherheit bei komplexen Symptombildern. Gleichzeitig entsteht eine fundiertere Grundlage für Therapieplanung und Psychoedukation.

Wenn sich Hinweise ergeben, die eine weiterführende fachärztliche oder psychologische Abklärung sinnvoll erscheinen lassen, können Sie Ihre therapeutischen Beobachtungen zudem gezielter in den interprofessionellen Austausch einbringen.

Für BED-Mitglieder: 20 Prozent Vorteil

Als Mitglied im BED e. V. profitieren Sie dauerhaft von 20 Prozent Rabatt auf die Teilnahmegebühr aller InWi Seminare.

Termine und Anmeldung

ADHS bei Frauen mit Marianne Jouanneaux
📅 Samstag, 12.09.2026 | 11:00–17:00 Uhr | Online (8 UE/FP)

Autismus bei Frauen mit Marianne Jouanneaux
📅 Samstag, 17.10.2026 | 11:00–17:00 Uhr | Online (8 UE/FP)

Prokrastination bei Erwachsenen mit ADHS mit Marianne Jouanneaux
📅 Samstag, 14.11.2026 | 11:00–14:00 Uhr | Online (4 UE/FP)

Zu den Seminaren

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Unser Fortbildungsprogramm wächst stetig weiter mit Themen, die für den therapeutischen Alltag immer relevanter werden. Ein regelmäßiger Blick auf unsere Website oder auf unseren Instagram-Kanal lohnt sich.

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Auf unserer Webseite arbeiten wir teilweise sprachlich dem Duden entsprechend mit dem generischen Maskulinum. Dies bedeutet, dass die allgemein bekannte verallgemeinernde, grammatikalisch männliche Bezeichnung gewählt wird. Hiermit sind in jedem Fall Personen aller Geschlechter gleichermaßen gemeint.
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