Veröffentlicht am 29.10.2026
Mehr Pflichten, weniger Vergütung? Nicht mit uns. Am Freitag, 30. Oktober, beginnen mit einem Sondierungsgespräch die neuen Verhandlungen zur Blankoverordnung in der Ergotherapie mit dem GKV-Spitzenverband. Bevor der BED am Verhandlungstisch Platz nimmt, sollen Sie wissen, wofür wir eintreten – und warum.
Uns ist wichtig, dass Sie als Therapeut*innen nachvollziehen können, worüber verhandelt wird und wo die Positionen auseinanderliegen. Christine Donner, Geschäftsführender Vorstand des BED, hat unsere Forderungen deshalb vorab auf YouTube offengelegt.
Forderung 1: Keine Mehrleistung ohne zusätzliche Vergütung
Die Problematik: Mit der Blankoverordnung hat der Gesetzgeber die Versorgungspauschale gestrichen, die der BED zuvor hart erstritten hatte. Seine Begründung lautet Doppelvergütung: Verlaufssteuerung und Dokumentation samt Qualitätssicherung in der Blanko seien bereits mit der Vergütung der Therapieeinheiten wie in der Versorgung nach § 125 SGB V abgegolten.
Unsere Position: Der BED hält diese Bewertung für falsch. Solange sie gilt, darf die Blanko allerdings nicht mehr Dokumentation verlangen als die Nicht-Blanko-Versorgung. Der Vertrag muss an dieser Stelle angepasst werden.
Wer zusätzliche Dokumentationspflichten für nötig hält, muss sie begründen und eine Vergütung dafür vorsehen. Mehr Aufwand ohne Geld ist für uns ein No-Go.
Forderung 2: Durchschnittswerte sind keine medizinischen Obergrenzen
Die Problematik: Bei Abschluss des Blanko-Vertrags waren sich alle Vertragspartner einig, dass Durchschnittswerte nichts über den Bedarf im Einzelfall aussagen. Ein eigener Bericht des GKV-Spitzenverbands stellt das nun anders dar. Er weicht von dem gemeinsamen Bericht ab, den die Vertragspartner gemeinsam erarbeitet haben.
Unsere Position: Die Werte der Blanko dienen der Orientierung, nicht der Wirtschaftlichkeitsprüfung. Dass der Durchschnitt deutlich unter dem oberen Orientierungswert liegt, werten wir positiv, denn viele Patient*innen brauchen den vollen Spielraum gar nicht. Menschen mit höherem Therapiebedarf brauchen ihn aber sehr wohl und müssen weiterhin zielsicher versorgt werden.
Die Ampelregelung
Genau für diese Fälle wurde die Ampelregelung vereinbart. Ihre rote Phase bedeutet keinen Behandlungsstopp. Sie zeigt lediglich an, dass Patient*innen mit Mehrbedarf besonders beobachtet werden. Aus Sicht des BED funktioniert dieses System gut und sollte nicht ohne Not infrage gestellt werden.
Forderung 3: Hohe Behandlungskosten sind kein Beweis für Überversorgung
Die Problematik: Der GKV-Spitzenverband stuft Fälle mit Behandlungskosten über 4.000 Euro als sogenannte Hochkostenfälle ein. Diese Grenze hat er selbst willkürlich gesetzt.
Unsere Position: Ein Rechenbeispiel zeigt, wie schnell diese Summe im normalen Versorgungsalltag erreicht ist. 32 psychisch-funktionelle Behandlungen mit verordnetem Hausbesuch, wie sie bei Demenzerkrankungen durchaus üblich sind, kosten zu aktuellen Preisen bereits mehr als 4.000 Euro. Das liegt vollständig im Rahmen dessen, was der Heilmittelkatalog in Verbindung mit Langfristigem und Besonderen Verordnungsbedarf auch bei Nicht-Blanko vorsieht.
Mit dem Begriff „Hochkostenfall“ findet aus unserer Sicht ein Framing statt. Wer daraus einen Änderungsbedarf ableiten will, muss erst darlegen, worin das medizinische und wirtschaftliche Problem eigentlich besteht.
Forderung 4: Die Blankoverordnung um die Pädiatrie erweitern
Die Ausgangslage: Bereits im Vertrag ist der damalige Kompromiss festgehalten: Die Blanko startet mit zwei Diagnosegruppen, die Pädiatrie kommt perspektivisch, aber verhältnismäßig zeitnah hinzu. Diesen Schritt fordern wir jetzt ein.
Unsere Position: Die Pädiatrie nur formal aufzunehmen, reicht nicht. Sinnvoll ist die Erweiterung erst mit klaren Versorgungs- und Abrechnungsregelungen sowie einer wirtschaftlich tragfähigen Vergütung.
Fazit
Es gibt einen gültigen Vertrag zur Blankoverordnung. Bestehende Regelungen neu zu verhandeln, kommt für uns nur infrage, wenn der Änderungsbedarf tragfähig und nachvollziehbar begründet ist. Unser Ziel bleibt, die Blanko für eine bessere Versorgung weiterzuentwickeln.
Wie gewohnt informieren wir Sie vor und nach jeder Verhandlungsrunde über den aktuellen Stand.
Lieber hören als lesen? Unser Geschäftsführender Vorstand Christine Donner erklärt unsere Forderungen im Video auf YouTube: