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BED-Antwort auf 4.: Welche politischen Maßnahmen wären notwendig, um die wirtschaftliche Stabilität der Praxen 2026 zu sichern?

Veröffentlicht am 28.04.2026

Ende März erhielten wir eine Interviewanfrage zum Thema GKV-Vergütung für Heilmittelleistungen von Silvia Funke, freie Fachjournalistin aus Leipzig für Optica, welche wir Anfang April schriftlich beantwortet hatten. Im Optica-Newsletter wurden die Antworten entsprechend berücksichtigt.

Hier und in weiteren folgenden Artikeln stellen wir (krankheitsbedingt erst jetzt) die Vollversionen der Fragen und Antworten zur Verfügung. 

Frage 4: Welche politischen Maßnahmen wären notwendig, um die wirtschaftliche Stabilität der Praxen 2026 zu sichern?

Antwort BED e.V. vom 07.04.2026

Wenn man ehrlich ist, gibt es für 2026 politisch keine einfache Sofortmaßnahme mehr, mit der sich die wirtschaftliche Stabilität der Praxen kurzfristig grundlegend sichern ließe. Die konkreten Vergütungsentscheidungen entstehen nicht unmittelbar durch die Politik, sondern innerhalb der bestehenden Verhandlungs- und Schiedsstrukturen. Zugleich zielen die aktuellen Vorschläge der FinanzKommission ausdrücklich auf eine Stabilisierung der GKV-Finanzen ab 2027; für den Heilmittelbereich nennt der erste Bericht unter anderem ein einjähriges Preismoratorium für 2027 sowie die Abschaffung gesonderter verordnungsbezogener Pauschalen.

Gerade deshalb wäre politisch im ersten Schritt vor allem eines notwendig: Diese Vorschläge für den Heilmittelbereich nicht umzusetzen. Denn hier würde man für vergleichsweise begrenzte Einsparwirkungen strukturell sehr viel kaputtmachen. Wer in einer ohnehin angespannten Versorgungssituation zusätzliche Mittel entzieht, riskiert weitere Schäden bei Personalbindung, Nachwuchsgewinnung, Versorgungsqualität und Professionalisierung. Politisch wäre das im Moment also zunächst vor allem ein Unterlassen des Falschen.

Für die Ergotherapie kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Gerade wegen der Gefahr, dass 2027 tatsächlich ein Preismoratorium greifen könnte, ist es umso wichtiger, die Vergütungen für 2026 nicht nach einer rein rückblickenden Logik auf dem Preisniveau von 2025 aufzubauen. Wenn 2026 bei der Preisbildung nicht ausreichend nachgezogen und die Kostenentwicklung des Jahres 2026 nicht mit berücksichtigt wird, droht der Ergotherapie eine doppelte Benachteiligung: Dann würden faktisch weder die Realitäten von 2026 noch die von 2027 angemessen abgebildet. Aus Sicht des BED wäre das besonders problematisch, weil damit gleich zwei Jahre realer Kostenentwicklung nur unzureichend oder garnicht in die Vergütung einfließen würden.

Genau an dieser Stelle zeigt sich auch das übergeordnete politische Problem: Wie in der Landwirtschaft, in der Industrie, in der Produktion oder in der Dienstleistung fehlt uns auch im Gesundheitswesen bis heute eine echte Gesamtbilanz. Gemeint ist eine Betrachtung, die nicht nur kurzfristige Kosten in den Blick nimmt, sondern auch mittel- und langfristige Folgen, Wechselwirkungen und gesamtgesellschaftliche Schäden. Politische Entscheidungen dürfen nicht so getroffen werden, dass ihre negativen Auswirkungen erst Jahre später sichtbar werden, ohne dass diese Folgen vorher offen benannt und mitverantwortet werden. Dass die FinanzKommission selbst den Fokus stark auf die Begrenzung der Ausgabendynamik und die Stabilisierung ab 2027 legt, zeigt, wie stark derzeit die kurzfristige Finanzperspektive im Vordergrund steht.

Wenn Politik hier wirklich etwas tun will, dann vor allem übergeordnet. Aus unserer Sicht bräuchte es erstens deutlich mehr Transparenz darüber, auf welchen Annahmen gesundheitsbezogene Entscheidungen beruhen und welche Folgewirkungen sie auslösen. Zweitens müssten die Menschen verbindlicher einbezogen werden, die von diesen Entscheidungen tatsächlich betroffen sind und die Versorgung aus ihrem Alltag heraus kennen, also Leistungserbringerverbände, Praxisinhabende, Fachkräfte, Patientinnen und Patienten sowie fachlich einschlägige Wissenschaft. Drittens braucht es ein echtes Kontroll- und Nachsteuerungssystem, das Fehlannahmen nicht verteidigt, sondern korrigierbar macht.

Unser Fazit wäre deshalb: Für 2026 gibt es politisch keine realistische Schnelllösung mehr. Was jetzt notwendig ist, ist erstens, zusätzliche strukturelle Schäden durch die Umsetzung der Vorschläge der FinanzKommission im Heilmittelbereich zu verhindern, und zweitens, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass Entscheidungen künftig transparenter, überprüfbarer und langfristig verantwortlicher getroffen werden. Gerade für die Ergotherapie heißt das zusätzlich: 2026 muss in der Preisbildung real berücksichtigt werden, damit ein mögliches Einfrieren 2027 nicht dazu führt, dass am Ende gleich zwei Jahre tatsächlicher Kostenentwicklung verloren gehen.

Anmerkung und zeitliche Einordnung

Diese Aussagen vom 07.04.2026 sind nach wie vor hochaktuell. Die Situation hat sich zwischenzeitlich mit dem Referentenentwurf zum GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz (BStabG) sogar weiter verschärft, s. Referentenentwurf zur GKV-Stabilisierung: Mehr Verantwortung in der Therapie, aber weniger Anerkennung und mehr Belastung

Aufruf zur Gegenwehr

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