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BED-Antwort auf 1.: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Preisverhandlungen und was erwarten Sie für 2026?

Veröffentlicht am 24.04.2026

Ende März erhielten wir eine Interviewanfrage zum Thema GKV-Vergütung für Heilmittelleistungen von Silvia Funke, freie Fachjournalistin aus Leipzig für Optica, welche wir Anfang April schriftlich beantwortet hatten. Im Optica-Newsletter wurden die Antworten entsprechend berücksichtigt.

Hier und in weiteren folgenden Artikeln stellen wir (krankheitsbedingt erst jetzt) die Vollversionen der Fragen und Antworten zur Verfügung. 

Frage: Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Preisverhandlungen und was erwarten Sie für 2026?

Antwort BED e.V. vom 03.04.2026

Aus Sicht des Bundesverbandes für Ergotherapeut:innen in Deutschland, BED, ist die aktuelle Situation hochproblematisch. Wir erleben derzeit nicht nur schwierige Preisverhandlungen, sondern eine grundsätzliche Blockadehaltung gegenüber einer bedarfsgerechten Weiterentwicklung der Versorgung in den Therapieberufen. Diese Tendenz zeichnet sich seit Längerem ab; sie wird durch die angespannte Finanzlage der Krankenkassen zusätzlich verschärft, ist aber aus unserer Sicht nicht allein dadurch erklärbar. Dahinter steht auch eine strukturelle Haltung, Ausgabensteigerungen im Gesundheitswesen vorschnell als unangemessen oder verzichtbar zu bewerten, statt ihren Nutzen für Versorgung, Teilhabe und gesamtgesellschaftliche Stabilität ernsthaft mitzudenken.

Die politische Stoßrichtung der vergangenen Wochen verstärkt diesen Eindruck noch einmal. Statt die sozialen Sicherungssysteme tragfähig weiterzuentwickeln, droht erneut der Versuch, Finanzierungsprobleme zulasten derjenigen zu lösen, die Versorgung tagtäglich sichern. Das ist aus unserer Sicht ein gefährlicher Weg. Denn die Therapieberufe arbeiten schon heute unter enormem Druck: Fachkräftemangel, hohe Verantwortung, steigende Anforderungen an Qualität, Dokumentation und evidenzbasierte Versorgung treffen auf Rahmenbedingungen, die seit Jahren vielerorts nicht ausreichend mitgewachsen sind.

Für 2026 erwarten wir deshalb sehr harte Auseinandersetzungen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, deutlich zu machen, dass gute therapeutische Versorgung kein Kostenproblem ist, sondern Teil der Lösung. Therapien verhindern Folgekosten, sie reduzieren Krankenhausaufenthalte, unterstützen Selbstständigkeit, können Pflegebedürftigkeit hinauszögern und helfen Menschen, schneller oder überhaupt wieder am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzunehmen. Wer an dieser Stelle pauschal kürzt oder blockiert, spart nicht nachhaltig, sondern verlagert Kosten und verschärft Versorgungsprobleme.

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung aktuell in der Ergotherapie. Dort erleben wir bereits 2026 ganz konkret, dass selbst berechtigte und notwendige Finanzierungsfragen nicht selbstverständlich gelöst werden. Ein Beispiel sind telemedizinische Leistungen: Sie waren politisch gewollt, gesetzlich eröffnet und sind in vielen Konstellationen sinnvoll. Wenn dann aber die Refinanzierung entsprechender Kosten verweigert oder infrage gestellt wird, sendet das ein fatales Signal; nämlich dass Innovation und Versorgung zwar gefordert, in der praktischen Umsetzung aber nicht zuverlässig abgesichert werden.

Unsere Erwartung für 2026 ist deshalb zweigeteilt. Einerseits rechnen wir mit erheblichem Widerstand auf Seiten der Kostenträger. Andererseits wird sehr viel davon abhängen, wie geschlossen und strategisch die Leistungserbringerverbände auftreten und ob die Therapierenden selbst ihre Perspektive sichtbar machen. Es braucht jetzt nicht nur Verhandlungen am Tisch, sondern auch klare Rückmeldungen aus der Versorgungspraxis: Was bedeutet es konkret, wenn Zeit für Dokumentation, fachliche Abstimmung oder evidenzbasierte Arbeit immer weiter unter Druck gerät? Was bedeutet das für Teams, für Patientinnen und Patienten, für die Nachwuchsgewinnung und letztlich für die Zukunft der Versorgung?

Unser Fazit ist klar: 2026 wird ein entscheidendes Jahr. Wenn therapeutische Versorgung politisch weiter vor allem unter dem Blickwinkel kurzfristiger Ausgabensteuerung betrachtet wird, drohen reale Schäden für Versorgungsqualität, Berufsentwicklung und Patientensicherheit. Dem muss gemeinsam und mit großer Klarheit begegnet werden. 

Anmerkung und zeitliche Einordnung

Diese Antwort fiel quasi zeitlich mit der Veröffentlichung des Berichtes der Finanz Kommission Gesundheit zusammen, s. Finanzkommission setzt Heilmittel unter Druck; jetzt braucht es gemeinsame Gegenwehr

Die Situation hat sich zwischenzeitlich mit dem Referentenentwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) weiter verschärft, s. Referentenentwurf zur GKV-Stabilisierung: Mehr Verantwortung in der Therapie, aber weniger Anerkennung und mehr Belastung

Aufruf zur Gegenwehr

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