Veröffentlicht am 28.08.2026
gibt es nicht. Was Sie stattdessen tun sollten, lesen Sie im Recruiting 101 – Teil 3 von 3.
Sie haben sich Gedanken gemacht.
Sie möchten mit der Personalgewinnung nicht mehr darauf warten, dass plötzlich eine Stelle frei wird. Stattdessen möchten Sie jetzt schon Ihre Praxis als Arbeitgebende sichtbar zu machen und Kontakte aufzubauen. (zu Teil 1)
Sie haben sich außerdem mit Ihrer eigenen Praxis beschäftigt. Sie haben herausgearbeitet, was Sie und Ihr Team ausmacht und welche Werte Ihnen bei der Zusammenarbeit wichtig sind. Vielleicht haben Sie sogar mit Ihrem Team darüber gesprochen, was die Zusammenarbeit bei Ihnen besonders macht und wen Sie sich als neue Kolleg*innen wünschen. Daraus ist ein klareres Bild der Menschen entstanden, die zu Ihrer Praxis passen. (zu Teil 2)
Sie wissen also, was für eine Person Sie für Ihre Praxis gewinnen möchten.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch diese passende Person.
Also schreiben Sie eine Stellenanzeige:
„Ergotherapeut*in gesucht!
Ab sofort. Vollzeit, Teilzeit oder Minijob möglich.
Keine Berufserfahrung nötig. Wiedereinsteiger*innen willkommen.
Flexible Arbeitszeiten, Fortbildungsunterstützung, persönliche Entwicklung, ausreichend Zeit für Vor- und Nachbereitung, Mitgestaltungsmöglichkeiten und ein nettes Team.“
Eigentlich steht alles drin.
Also veröffentlichen Sie die Anzeige. Ein paar Likes auf Social Media. Vielleicht wird der Beitrag sogar geteilt. Aber die Bewerbung, auf die Sie gehofft haben, bleibt aus.
Das kann am Fachkräftemangel liegen.
Es kann aber auch an Ihrer Anzeige liegen.
Denn obwohl Sie inzwischen ziemlich genau wissen, wen Sie eigentlich suchen, haben Sie eine Stellenanzeige geschrieben, die möglichst viele Menschen gleichzeitig ansprechen soll.
Wer steht im Mittelpunkt Ihrer Stellenanzeige?
Ihre Werte geben Ihnen eine Vorstellung davon, welche Menschen zu Ihrer Praxis passen könnten. Menschen mit diesen Werten können sich allerdings in völlig unterschiedlichen Lebenssituationen befinden und sehr verschiedene berufliche Erfahrungen mitbringen.
Deshalb reicht es nicht, sich nur zu überlegen, was Sie vermitteln möchten. Sie müssen sich auch fragen, wie Sie genau die Person ansprechen, die Ihre Anzeige lesen soll.
Was ist für diesen Menschen in seiner aktuellen Situation relevant? Welche Wünsche und Anforderungen hat er an einen Arbeitsplatz? Welcher Aspekt Ihrer Stellenanzeige könnte dazu führen, dass er nicht weiterscrollt, sondern genauer hinschaut? Im Mittelpunkt Ihrer Stellenanzeige steht deshalb nicht die Praxis mit allem, was sie theoretisch zu bieten hat.
Im Mittelpunkt steht die Person, die die Anzeige lesen soll.
Gleicher Beruf, andere Bedürfnisse
In unserer Beispielanzeige steht:
„Keine Berufserfahrung nötig. Wiedereinsteiger*innen willkommen.“
Wir möchten also mindestens zwei sehr unterschiedliche Personengruppen erreichen.
Schauen wir uns diese an, beispielhaft nennen wir sie Felix und Anja.
Felix ist 21 Jahre alt und seit einem Monat Ergotherapeut.
Er hat seine Ausbildung abgeschlossen und möchte jetzt richtig ins Berufsleben starten. Eine Praxissoftware hat er bislang noch nicht selbst genutzt. Wie eine Heilmittelverordnung geprüft und für die Abrechnung vorbereitet wird, war nicht Teil seiner Praktika. Privat ist Felix zeitlich relativ flexibel. Er hat keine Kinder und geht dreimal in der Woche zum Sport.
Seine entscheidenden Fragen an eine Stelle liegen deshalb möglicherweise gar nicht zuerst beim Arbeitszeitmodell. Viel wichtiger könnte für ihn sein: Was passiert eigentlich an meinem ersten Arbeitstag? Werden mir die organisatorischen Abläufe gezeigt? Wen kann ich fragen, wenn ich bei einer Behandlung unsicher bin? Bekomme ich direkt einen vollen Therapieplan oder darf ich erst einmal in der Praxis ankommen?
Für Felix ist „Keine Berufserfahrung nötig“ zwar eine wichtige Information.
Wirklich angesprochen fühlt er sich vielleicht erst bei einer Überschrift wie:
„Du startest bei uns nicht allein.“
Danach könnten Sie konkret erklären, wie die Einarbeitung bei Ihnen abläuft und wie Sie Berufseinsteigende dabei unterstützen, zunehmend selbstständig zu arbeiten.
Und dann ist da
Anja. 40 Jahre alt, Ergotherapeutin und Mutter von drei Kindern.
Bevor ihre Kinder kamen, hat sie bereits mehrere Jahre in ihrem Beruf gearbeitet. Die vergangenen acht Jahre war sie überwiegend für ihre Familie da. Das jüngste Kind geht inzwischen in den Kindergarten und Anja hat richtig Lust, wieder als Ergotherapeutin zu arbeiten.
Sie ist keine Berufsanfängerin.
In acht Jahren hat sich jedoch einiges verändert. Eine Praxissoftware hat sie schon mal benutzt, aber eine andere. Den Heilmittelkatalog kennt sie, aber was ist eine Blankoverordnung? Fachliches Wissen ist vorhanden, aber etwas eingerostet. Gleichzeitig sieht ihr Alltag ganz anders aus als der von Felix. Arbeitszeiten sind ihr wichtigster Punkt. Sie müssen zum Familien-Zeitplan passen, denn sie und Ihr Mann haben eine eingespielte Aufteilung der nachmittäglichen Kinder-Betreuung.
Die relevante Frage lautet deshalb nicht einfach nur: „Bieten wir Teilzeit an?“
Sondern: Was braucht Anja, damit sie sich einen Wiedereinstieg gerade in unserer Praxis vorstellen kann?
Eine Anzeige, die ihre Situation wirklich aufgreift, könnte also vermitteln:
Wir schauen gemeinsam 1., wo Du fachlich stehst und wo eine Auffrischung sinnvoll ist, und 2. , welche Zeiten für Dich passen und welche Anpassungen im Laufe notwendig bzw. möglich werden.
Weniger ist mehr
Unsere ursprüngliche Stellenanzeige versucht, Felix und Anja gleichzeitig mitzunehmen. Dazu vielleicht noch die erfahrene Therapeutin, die nach zehn Jahren Klinikalltag eine neue fachliche Herausforderung sucht. Und selbstverständlich sollen Menschen in Vollzeit genauso weiterlesen wie diejenigen, die weniger Stunden arbeiten möchten.
Das spart zunächst Zeit, eine allumfassende Anzeige ist schneller vorbereitet als mehrere zielgruppenindividuelle Varianten. Doch je mehr Menschen Sie gleichzeitig ansprechen möchten, desto allgemeiner wird zwangsläufig die Botschaft und desto weniger Personen fühlen sich tatsächlich angesprochen.
Deshalb gilt: Verändern Sie den Blickwinkel. Wählen Sie aus dem, was Ihre Praxis alles bietet, genau das aus, was für die jeweilige Zielgruppe besonders relevant sein wird. Und Sie formulieren diese Punkte so konkret, dass diese Personen sich darin wiedererkennen.
Im Seminar lernen Sie außerdem
Mit der passenden Ansprache ist Ihre Personalgewinnung noch nicht abgeschlossen. In unserer dreiteiligen Reihe „Recruiting 101“ haben wir Ihnen die ersten Schritte für eine erfolgreiche Recruiting-Strategie nähergebracht.
Im Seminar „Mitarbeitende finden, die bleiben“ gehen Sie noch deutlich weiter. Sie beschäftigen sich unter anderem damit,
- wie Sie den ersten Kontakt passend zur Zielgruppe gestalten,
- wo Ihre gesuchten Mitarbeitenden überhaupt zu finden sind,
- welche weiteren Möglichkeiten Sie haben um Ihre Praxis auch außerhalb einer klassischen Stellenanzeige als Arbeitgebende bekannter zu machen,
- wie Sie Ihre Darstellung glaubwürdiger und ansprechender machen,
- und wie aus einzelnen Aktionen ein planbarer, belastbarer und nachverfolgbarer Recruitingprozess wird.
So entsteht kein Sammelsurium einzelner Maßnahmen, sondern eine Personalgewinnung, die zu Ihrer Praxis und zu den Menschen passt, die Sie erreichen möchten.
Für BED Mitglieder: 20 Prozent Vorteil
Als Mitglied im BED e. V. profitieren Sie dauerhaft von 20 Prozent Rabatt auf die Teilnahmegebühr aller InWi Seminare.
Termin und Anmeldung
Mitarbeitende finden, die bleiben (zweitägiger Kurs)
📅 Mittwoch, 09.12.2026 | 17:30–20:30 Uhr
📅 Mittwoch, 16.12.2026 | 17:30–20:30 Uhr | Online (7 UE/FP)
Zur Anmeldung
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